Minol Nachttankbox

Der sprichwörtliche Schlüssel zum Erfolg für DDR-Kraftfahrer, die häufig spät unterwegs waren und von daher stets befürchten mussten, nachts, wenn die Minol-Tankstellen geschlossen hatten, mit leerem Tank liegen zu bleiben, war die Nacht-Tank-Box. An 552 Minol-Tankstellen waren die stummen Helfer in der Not zwischen 1964 und 1969 aufgestellt worden. Schlüssel deshalb, weil der clevere Nachtfahrer sich selbige vorausschauend für 7,50 Mark pro Stück kaufen konnte. Mit diesem konnte man am Tank-Automaten eine Tür öffnen, hinter der sich ein gefüllter, mit Stahlseil gesicherter Fünf-Liter-Benzinkanister verbarg. Daneben gab es dann noch Türen, die sich nur mit zwei Schlüsseln (10-Liter-Kanister) und sogar nur mit vier Schlüsseln (20-Liter-Kanister) entriegeln ließen. Auch an die Zweitakt-Fahrer war gedacht. Für eine Mark konnten sie ein Fläschchen Hyzetöl samt 20 Pfennig Rückgeld dem Automaten entnehmen. Diese exakt dosierte Menge reichte für Fünf Liter Otto-Kraftstoff und musste selbst beigemischt werden. Um auch dem skeptischen Minol-Kunden zu demonstrieren, dass dies alles kinderleicht sei, wurde für die Bebilderung eines Minol-Ratgebers eine attraktive Dame - genauer gesagt, ein Fräulein Renate - als Model ausgesucht. Die Crux bei dieser Form des Tankens: Der Automat hatte nur zehn Türen, reichte also manchmal nicht für alle Schlüssel-Besitzer. Doch damit nicht genug, wurden die Boxen doch zunehmend Opfer von Dieben. Deshalb beendete Minol den Nacht-Service, der einst sogar im Fernsehen beworben worden war, Ende der 1970er Jahre.

Technische Daten

Im Rahmen unserer Sonderausstellung „70 Jahre Minol“ im Herbst 2019 wollten wir unbedingt eine Nachttankbox präsentieren. Aber auch nach landesweiter Suche war es uns nicht vergönnt eine zu bekommen. Also entschlossen wir uns zu einem Nachbau. Als Grundkörper haben wir DDR Paketboxen verwendet, die in ihrem Aufbau denen der Nachttankbox sehr ähnlich waren. Wir haben sie dann angepasst, in Minol Farben gelb - rot lackiert und mit den originalen Schriftzügen versehen. Während unserer Ausstellung kam dann ein Besucher aus dem benachbarten Ort Zschocken auf uns zu und meinte, dass so etwas Ähnliches seinem Schwiegervater als Werkstattschrank dient. Während der Besichtigung war sofort klar, dass der „blaue Schrank“ aus vier originalen Nachttankboxen besteht. Wir bekamen sie dann geschenkt und haben sie aufwendig restauriert. Heute ist es unseres Wissens nach das einzige Exemplar welches sogar noch mit den originalen Minol-Schlüsseln funktioniert.

Unser Modell