Trabant P 601
Der Trabant 601 war das meistgebaute Modell der im VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau hergestellten Trabant-Baureihe. Er wurde unter der Typenbezeichnung P601 von 1964 bis 1990 gebaut. Während dieser langen Bauzeit gab es keine nennenswerten Innovationen. Die Wartezeit für einen Trabant P 601 betrug im Jahr 1988 bis zu 15 Jahre. Der Preis für die günstigste Ausführung war auf 8.500 M der DDR festgesetzt. Auf dem Schwarzmarkt wurden neue Trabant ohne Wartezeit für 20.000 Mark gehandelt. Kein anderes Fahrzeug oder Konsumgut verkörpert bis heute die DDR so stark wie der „Trabi“.
Technische Daten
- Baujahr: 1989
- Motorbauform: 2-Zylinder-Zweitakt-Otto (luftgekühlt)
- Hubraum: 594,5 cm³
- Leistung: 26 PS (19 kW) bei 4200 U/min
- Drehmoment: 54 Nm bei 3000 U/min
- Leergewicht: 615 kg
- zul. Gesamtgewicht: 950 kg
- Verbrauch: 7,0l/100km Benzin Öl Gemisch 1:33
- Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Unser Modell
Das hier ausgestellte Fahrzeug erinnert an die turbulente Zeit nach dem Mauerfall. Es steht in Verbindung mit dem Verkauf der ostdeutschen Minol-Tankstellen an den französischen Mineralölkonzern Elf. Im Frühjahr 1992 beauftragte Minol einen Kfz-Betrieb in Stendal, den gebrauchten Trabi in den Farben von Minol und Elf zu lackieren. Eine Seite in Lila und Pink, was den neuen Farben von Minol entsprach. Für Elf standen die Farben Schwarz und Weiß. Am 24.Juli 1992, ein Tag nach dem Verkauf von Minol an die Franzosen, starteten zwei Mitarbeiter zu einer ungewöhnlichen Reise: Sie fuhren mit dem Zweitakter von Berlin nach Paris. Dort stand das Kult-Auto aus dem Osten mehrere Wochen im Foyer der Elf-Konzernzentrale.
Als der Trabant nach Berlin zurückkehrte, lief der Bau neuer Minol-Tankstellen nach westlichem Vorbild auf vollen Touren. Bis Ende 1993 entstanden von Rostock bis Suhl rund 200 moderne Tankstellen. Bei deren Eröffnung im Raum Berlin stand der Trabi oft in der ersten Reihe.
Auf der Automobilmesse „AAA“ 1992 unter dem Berliner Funkturm war das Auto aus Zwickau der Blickfang auf dem Minol-Messestand. Ein paar Monate später drehte Formel-1-Star Michael Schumacher im Zweitakter seine Runden in Berlin. Bei einer Pressekonferenz im Berliner Palasthotel fuhr er im März 1993 im Trabi auf die Bühne. Als frisch gebackener Weltmeister war Schumacher 1994 der Star einer aufwendigen Werbekampagne: An allen 900 Minol-Tankstellen begrüßten lebensgroße Aufsteller des Rennfahrers die Kunden. Im Herbst 1999 landete der außergewöhnliche Trabi schließlich im Museum. Bei der Eröffnung des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig posierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem Auto.
Als Symbol für den schwierigen wirtschaftlichen Umbruch im Osten gehörte der Elf-Minol-Trabant viele Jahre zur dortigen Ausstellung. Seit dem Tag der Deutschen Einheit am 3.Oktober 2020 ist der Trabi als Leihgabe der Total Deutschland nun an einem neuen Ort zu sehen: An der professionell nachgebauten Minol-Tankstelle im hiesigen Oldtimermuseum.
(Olaf Wagner Ehemaliger Minol-Sprecher)